Das Jahr 2022 war mit einer österreichweiten Durchschnittstemperatur von 8,1 ∘C das zweitwärmste seit Beginn der Messreihen im Jahr 1767. Es lag damit um etwa 1,1 ∘C über dem langjährigen Mittel der Periode 1961–1990. Gleichzeitig fiel rund 14 % weniger Niederschlag als im Durchschnitt dieser Referenzperiode.
Das Haushaltsjahr 2021/22 war in der österreichischen Kryosphäre von einer außergewöhnlich geringen Schneedecke und einem extremen Gletscherrückgang geprägt. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Massenbilanz: Die Gletscheränderungsgröße weist für 2021/22 den negativsten jemals gemessenen Wert für österreichische Gletscher auf. Im Mittel verloren die Gletscher etwa 3,2 m an Eisdicke, ungefähr das Dreifache des Durchschnittswerts der vorangegangenen zehn Jahre. Einzelne Gletscher, wie etwa der Jamtalferner, verzeichneten Verluste von bis zu −3.631mm Wasseräquivalent.
Auch im Permafrost wurden außergewöhnlich große Auftaumächtigkeiten registriert, wenngleich die bisherigen Rekordwerte knapp verfehlt wurden. Am Kitzsteinhorn wurde beispielsweise eine Auftaumächtigkeit von 4,0 m gemessen. Ein noch größerer Wert trat im Beobachtungszeitraum 2016–2022 lediglich im außergewöhnlich heißen Sommer 2019 mit 4,2 m auf.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Eisbedeckung österreichischer Seen. Besonders Gewässer in tieferen Lagen wiesen im Winterhalbjahr 2022 eine deutlich verkürzte Dauer der Eisbedeckung auf, teils mit sehr spätem Zufrieren oder ganz ausbleibender, geschlossener Eisdecke.
Der markante Rückgang der Kryosphäre spiegelt sich auch in den Schneehöhen wider. Diese waren insbesondere seit Beginn des Jahres 2022 sehr gering und führten zu einer deutlich unterdurchschnittlichen Winterakkumulation. Am Sonnblick war die Schneedecke bereits am 6. Juli 2022 vollständig abgeschmolzen, zu einem Zeitpunkt, zu dem dort üblicherweise noch rund 3 m Schneehöhe zu erwarten wären.
Insgesamt zeigt der Bericht, dass das Jahr 2021/22 ein außergewöhnlich extremes Klimajahr darstellt, in dem alle Komponenten der Kryosphäre (Schnee, Gletscher, Permafrost und Seeeis) deutlich zurückgingen. Die geschilderten Entwicklungen fügen sich in einen klar erkennbaren langfristigen Trend: Österreichs Kryosphäre zieht sich immer rascher zurück. Dies hat weitreichende Folgen für Umwelt, Wasserhaushalt, Naturgefahren und den Tourismus.
Hier können Sie den gesamten Bericht oder nur einzelne Kapitel des ersten KryoMon.AT-Berichts herunterladen.
Dr. Andrea Fischer
Dr. Marion Greilinger
Iris Hansche MSc.
Dr. Lea Hartl
Dr. Ingo Hartmeyer
Mag. Bernhard Hynek
Dr. Martin Kainz
Dr. Viktor Kaufmann
Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer
Dr. Gerhard K. Lieb
Dr. Christoph Mayer
Anton Neureiter MSc.
Mag. Klaus Reingruber
Mag. Stefan Reisenhofer
Mag. Claudia Riedl
Dr. Wolfgang Schöner
Mag. Bernd Seiser
Dr. Martin Stocker-Waldhuber
Dr. Bernhard Zagel
Dr. Thomas Zechmeister
Wir danken allen herzlich, die zur Umsetzung von KryoMon.AT – Kryosphären Monitoring Österreich und zur Erstellung des vorliegenden ersten Berichts beigetragen haben. Unser besonderer Dank gilt den Autor:innen für ihre fachkundigen Beiträge, den Datengeber:innen sowie allen Personen und Institutionen, die die Monitoringaktivitäten zur Kryosphäre in Österreich aufbauen, weiterentwickeln und ihren langfristigen Erhalt sichern helfen.
Ein ausdrücklicher Dank gilt dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) für die finanzielle Unterstützung, ohne die dieses Projekt und der vorliegende Bericht nicht realisiert werden könnten.